rechtbuch,
das
;
-(e)s/-er
+ Uml.
›schriftliches Verzeichnis der Gesetze und Verordnungen einer Rechtsgemeinschaft (einer Stadt, Gemeinde, eines Landes), eines Rechtsgebietes (z. B. der Sachsen), einer Rechtsinstanz (weltlich, geistlich, päpstlich)‹; metonymisch dazu: ›Gesetz, Rechtsordnung‹; vgl. (
das
) 5, 4.
Phraseme:
das rechtbuch unter die bank werfen
›das Gesetz mit Füßen treten‹.
Syntagmen:
ein r. machen
;
das r. jm. mangeln, etw. öffnen / sagen
, [wo]
sein
;
sich des rechtbuches beklagen
;
etw. aus dem r. lesen, in den rechtbüchern etw
. (Subj.)
geschrieben sehen, j. in den rechtbüchern
[wie]
heissen, etw. von rechtbüchern nemen
;
das r. der stat
;
das alte / deutsche / fränkische / weltliche r
.;
nach sage des rechtbuches
.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Se sint von zwen recht buͦchen genomen, decreten vnde decretali.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
die Sachsen [...] erslugen der Doringe [...] unde liessen yn eyme dorffe kume zwe ader drey die redelichsten sitzen, [...], die heissen noch [...] yn yren rechtbuchern die Lassen.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
der nie gelas noch gehort geschribne recht | Der machetz alls samen eben und slecht. | Wan das rechtbuoch ist geworffen under den bank.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
229, 26
(
schwäb.
,
1368
):
Entscheidung
nach unsers rechtpuchs sag.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1377
):
Swaz daz rechtpuͦch und der stat puͦch hat, daz sol der richter richten in der schrannen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
hat in Draco ein landsordnung und rechtpuech gemacht.
Schmitt, Ordo rerum
141, 8
;
Merz, Urk. Bremgarten
583, 9
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
27, 6
;
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 130, 21
;
Winter, Nöst. Weist. ;
Wopfner, Bauernkr. Tirol ;
Öst. Wb.
3, 1253
.
Vgl. ferner s. v. (
das
) 1.