rasend,
part. Adj.
›wahnsinnig, verrückt, außer sich‹ (aus Sicht des Sprechers das Handeln, Aussehen u. dgl. einer Person charakterisierend); mit verschiedenen Abstufungen auch: ›wild, unbeherrscht‹; ›tobsüchtig, wutschäumend‹; in 1 Beleg als intensivierendes Gradadverb verwendet; bezogen auf Einstellungen, Haltungen und daraus resultierende Handlungen häufig: ›wahnhaft‹; ›gottfern, orientierungslos‹; von Raubtieren: ›wild‹; speziell von Hunden, Wölfen auch: ›tollwütig‹; zu (V.).
Gehäuft nrddt. / md.
Gegensätze:
1.
Syntagmen:
j. / etw
. (Subj., z. B.
der hund, die welt, js. angesichter
)
r. sein / werden, r. tol sein
;
der rasende glaube / hund / mensch, die rasende liebe, die rasenden hermaphroditen / juden / leute / narren / tiere / wölfe
.
Wortbildungen:
rasendig
(dazu bdv.: , 1, 2),
rasenheit
(dazu bdv.: 1).

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
Er [Gott] gedenckt also: Ich habe wilde unvernunfftige tolle rasende thier ynn der welt, Wolff, Beren, Lewen ec.
ja er [Christus] macht sie [heuchler und werckheiligen] rasendig toll und toͤricht.
Ebd.
28, 334a
, 24 (
1529
):
weren doch die Juͤden mit keiner Plage und Marter gesettiget gewesen, Sondern aus grosser Rasenheit und teufelischer Bosheit hetten sie geschrien.
Ebd. (
1541
):
[Tuͤrcken und Heiden] reden aber davon [von Gottes recht erkentnis] wie ein Blinder von der farbe, ja als rasende, unsinnige Leute, vom Teufel verblendet und verstockt.
Ebd. (
1540
):
gehen die Goͤtzen diener, Wuͤcherer, Geitzwenste dahin, blind, verstockt, wahnsynnig, tol, toricht, besessen, rasend.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
630, 3867
(
Magdeb.
1608
):
jederman dem Krieg zuleufft / | Als wenn sie weren rasend toll.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
was ein plage ind ein raserie umbtrint Coellen 4 milen van rasen wolven, die honde, perde, verken, ganse ind ouch etzliche luide ind ander beesten bissen.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501 ff.
):
spring uff und stant | in dym raßende glauben!
Perez, Dietzin
1, 319, 26
(
Frankf.
1626
):
Plato vermahnet seine Discipulos [...] wenn sie truncken weren selbsten [...] jre Angesichter fleissig zu beschwawen wie scheußlich vñ rasent dieselbige seyen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1199
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
unmogelichen ist ouch das | das eines menschen hertze etwas | ruwe umme sine sunde gewynne | da di rasende liebe stecket ynne.
Qu. Brassó
4, 230, 27
(
siebenb.
,
1640
):
Ist ein armer Mann [...] von einem rosenden Hund gebissen und mit dessen Gift inficieret und des dritten Tages Todes gestorben.
Klett, J. v. Soest
2, 901
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
134, 20
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 378, 19
;
Voc. Teut.-Lat.
bb iijr
;
Vgl. ferner s. v. (V.).