quit,
Adv.;
gelegentlich mit diphthongiertem Vokal;
zu
mhd.
quît, quit
›los, ledig, frei‹
(), dies über
afrz.
quite
›los, ledig des Auferlegten, außer Gefahr‹
(vgl.
Pfeifer
2000, 1070
) aus
lat.
/
mlat.
quietus, quitus
›sicher; schuldenfrei; unangefochten‹
(
Niermeyer
2002, 2, 1147
);
vgl. .
›frei, von e. S. los‹; häufig mit Bezug auf rechtlich oder moralisch-ethisch definierte Verbindlichkeiten oder Verpflichtungen: ›befreit, ledig, entbunden‹; auch: ›nicht verpflichtet‹; ›verschont‹; mit negativer Tendenz: ›e. S. bzw. des Anspruchs auf etw. verlustig‹.
Phraseme:
e. S. quit, ledig / frei und los
›von einer rechtlichen Verpflichtung entbunden‹ (verstärkende Rechtsformel mit Tendenz zur Univerbierung des Lemmawortes mit je einem der Synonyme; s. die Wortbildungen; vgl. zu den im rechtlichen Bereich bezeugten phrasematischen Verwendungsweisen im Einzelnen  ff.);
des lebens quit werden
›sterben‹.
Bedeutungsverwandte:
, 1; 4; 9, (Adj.) 4; 5, , .
Gegensätze:
(Adj.), .
Syntagmen:
j. q. sein / stehen / werden
,
miteinander q. sein / werden
,
die finsterungen
(Subj.)
q. werden
›vergehen‹,
e. S
. (Gen., z. B.
des eides / holzes / unglaubens / unfals / zols, der bekorung / bezalung / hoffart / missetat / pflicht / unkeuschheit / versuchung, des geldes / silbergeschirs, aller pein, der summe gulden, des unnützen volks, der begierden / eren / freuden / kleinode / läuse / sorgen / sünden / untugenden
)
q. sein / werden
,
jm. q. sein
›jm. nichts schuldig sein‹,
der eule q. sein
›von Unheil (als dessen Repräsentantin die Eule auftritt) verschont bleiben‹,
von e. S
. (
von dem gebot / recht, allen ansprüchen
)
q. sein / werden
;
q. gehen
›freikommen‹,
die gefangenen q. machen
,
den strom q. befischen
,
jn. (kraft, mit urkunde eines briefes) q. lassen / sagen / sprechen / zälen
›jn. aus einer (rechtlichen) Verpflichtung entlassen‹,
jn. e. S
. (z. B.
der bussen, x gulden
)
q. sagen
,
jn. um etw
. (z. B.
um ansprüche / zusprüche
)
q. sagen
.
Wortbildungen:
˹
quitfrei
,
quitledig
,
quitlos
˺ ›von einer Rechtspflicht entbunden, von einer Strafe befreit‹,
quitrechnen
›etw. abrechnen, finanziell begleichen‹,
quitrechnung
›Abrechnung‹ (dazu bdv.: ),
quitschelten
›etw. aufheben, für ungültig erklären‹,
quitscheltung
›rechtsverbindliche Erklärung über die Entlassung aus einer Leistungsverpflichtung‹.

Belegblock:

v. Bunge, Livl. UB
4, 551, 8
(
nrddt.
,
1506
):
Des moste sik Clawes vorbon. vor willekoren in der selven steven, dat he den kop solde binnen Novgarden wedder quid schelden bi des kopmans rechte.
Mieder, Lehmann. Flor.
325, 2
(
Lübeck
1639
):
Wer seine zusag vnnd Glauben nicht haͤlt / dem ist der ander zu halten widerumb quit vnd ledig.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
462, 34
(
preuß.
,
1419
/
34
):
von andir sculd [...] die ich der schefferie sculdig was, habe ich mit her Hans von Mos [...] qwit gerechent, unde des habe ich eynen quitbrieff besegelt mit der schefferie segel.
Ebd.
470, 3
:
von desir qwitrechenunge unde von alle der scult, die ich sculdig was der schefferie, dovon habe ich 1 qwitbrieff besegelt.
Thiele, Minner. II,
28, 76
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
ich was vry, vro muͦedes myn, | nu byn ich leyder eygen syn, | der mich verderven doit e tzyt. | duͦrch eme byn ich alre vreuden quyt.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Alsô sprechen wir, daz der mensche sol quît und ledic stân, daz er niht enwizze noch enbekenne, daz got in im würke.
Wyss, Limb. Chron. U (
mfrk.
,
1389
):
da vonne ist uns gnuͦch geschen in alle wijs, unde sagen sij des qwẏt, ledig unde loß, want sij uns da vonne nẏt me schuldig sẏnt.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1592
):
so wart er auch gefangen [...] und sines silber gescheirs und kleinaten, dess er seir vil hat, queit, doch entlich los, ohn das er den schaden verwinnen kunte.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1662
(
Köln
1476
):
Zu vastauent ind in der zijt | Wurden deyls perd yrs leuens qwijt | Jnd zu der lieuerongh geslacht.
Wunderlich, Fierrabr.
13, 22
(
Simmern
1533
):
der keins
[Besitztümer]
beger ich [Oliuier] / sunder bitt vmb streit / wider diesen Heyden / vnd hierumb so schenck ich euch
[dem Kaiser]
alle mein gethane dienst vnnd sag euch deren queid.
J. W. von Cube. Hortus
122, 24
(
Mainz
1485
):
lege die [lauendelblomen] by die cleyder du wurdest yr
[der
luß
]
qwit zuͦ hant.
Gerhard, Hist. alde e
4551
(
omd.
,
um 1340
):
Sust Judith uz grozer quel | Loste daz volk in Israhel. | [...] | Da die Juden worden quit | Vort bi Artaxerses zit.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 461, 11
(
omd.
,
1432
):
Alse haben die vorbenumpten vorwesere des vorgedochten hospitalis [...] mechtig gemachet Hans Rolen [...] erbe und legende grunde czuvorkouffen, uffczureichen, czugeweren und czulassen schryben von dem entfangenen quitscheldunge czuthuende und alle ding in voller macht doby und domitte czuthuende.
Küther, UB Frauensee
173, 20
(
thür.
,
1384
):
und sage sy der vurczig guylden qwid ledig und los vor mich und vor mine erbin.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1384
):
und ich sag [...] den egenanten Fritzen Grabner umb die egeschriben vierhundert guldein quit, ledig und loͤz gar und gentzlichen ongeverde mit urkunde ditz briefs.
Gille u. a., M. Beheim
21, 10
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
nu muss vertriben sein und werden quit | die vinsterung, die dann machen plintheite.
Ebd.
331, 84
:
unhail het mich ümb vangen, | mit diser euln pehangen. | ich wand, ich wer ir quit.
Bell, G. Hager
649, 2, 2
(
nobd.
,
1614
):
sich nit an mein sünde gross, | Sprich mich quitloss | Durch Cristÿ ver dienst.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Den sprich ich ledig zu der frist | Von allen ansprüchen, ledig, quit.
Ebd. (
1558
):
Die schiltwacht wird wol darauf schawen, | Das unser leger sicher sey, | Vor allen freinden quit und frey.
Ebd. (
1559
):
Nun ich dir macht und gewalt gib | Zu reden, nun bist du quitfrey.
Ebd. (
1562
):
Da must von hertzen lachen der | Centelon, ließ gutwillig nach | Die schuld und ihn quit-ledig sprach.
Ebd. (
1567
):
Wann unfals ist so mancherley, | Daß kein mensch deß ist quit und frey.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
nach unserm schetzende so werdent wir in gotte gottes von gotte quit.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1425
):
ob ir das tun wollet, so wollen wir euch solicher trewe und eide, die ir uns getan habt, und wes ir uns dorumbe pflichtig seit, genzlich quidt, ledig und lose sagen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
25, 17
(
Basel
1494
):
Die Niniuiten bzaltten vor | Gar bald jr schuld / vnd wurden quit.
Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1384
):
Wand wir mit urkuͥnde diz briefs und alle die uͥwern lidig, frije und quit sprechen und lassen aller der eyde, geluͥbden und banden.
Gereke, Seifrits Alex.
9069
(
oobd.
, Hs.
1466
):
ich des pitt | das sy mir armen schreiber mit | taillen ir selligs gepet, | das ich meiner sunden werde quit.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
auch was vil unnutzes volck mit in geloffn, das sy nicht mochten quit werdn.
Panzer, Merlin Füetrers (
moobd.
,
1473
/
8
):
darumb hettens rat, wie sis pesynnen mächten, | das si der sorgen wurden quidt.
Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1542
):
Welich gelt sein weisheit gegeben hot gleich am selben tag den [...] kÿrchen feteren, vnd ist von meinen herren quit vnd fraÿ gesagt.
Schade, Sat. u. Pasqu. ;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
864
;
4512
;
Rudolph, Qu. Trier ;
Bobertag, Schwänke ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
161, 10
;
164, 6
;
165, 8
;
Gille u. a., a. a. O.
76, 69
;
349, 37
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Rieder, Gottesfr. ;
Vetter, Pred. Taulers ; ;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2240
;
Welti, Stadtr. Bern ;
Bastian u. a., Regensb. UB
320, 21
;
425, 38
;
463, 37
;
UB ob der Enns
10, 410, 15
;
Rot
344
;
Voc. Ex quo Q
176
;
Rwb  ff.;