obdach,
auch
obedach,
das
.
1.
›Dach als den Menschen schützende Abdeckung eines Gebäudes‹; damit metonymisch zugleich: ›Ort der Vertrautheit, des Schutzes, Unterkunft, Behausung, Herberge‹; von unten nach oben gesehen auch: ›Decke, über dem Wohn-, Aufenthaltsraum‹; vgl. (Adv.) 1, 1; 2; 3.
Phraseme:
was unter dem obdach liegt
Rechtsformel zur Sicherung der Ansprüche einer Frau, die wieder heiratet;
seinen rücken unter das obdach stellen
Rechtsformel, die den Schutzraum für einen Verfolgten angibt.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
ein o. haben
;
j. jm. schild und o. sein
;
sich ane o. auf die erde niederlegen, jn. für ein o. tragen, j. in einem o. sein, unter ein o. kommen, als unter einem o. ruhen
;
das böse o.
;
ein haus mit o
.

Belegblock:

Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
der keiser [...] wolt nit me komen under kein obetach, er wer danne zu Presburg.
Gille u. a., M. Beheim
12, 21
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Joseph sach da ab einer wusten hulen | ein obtach czwuschen czwaien hausern ston.
Ebd.
449, 558
:
[die teufel] furten in gen ainem haus, | da waz das abtach und die wende | Mit swarczem rach | grauslichen an zu sehen.
Sachs (
Nürnb.
1550
):
Der kuedieb spricht: Ach, ich bin des von hertzen fro, | Das ich nur bin in dem obtach.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
640
(
schwäb.
,
1455
):
Er
[Tempel]
het kein obedach, | Das ist mir schwer und leit.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
und ruoent si [Läut] under irm fuoz reht sam under aim obdach.
Sappler, H. Kaufringer
1, 195
;
Vgl. ferner s. v. .
2.
eine mit
obdach
1 in Vergleich gesetzte Abdeckung verschiedener Gegenstände; extensional z. B. bezogen auf die Oberseite eines Helmes, eines Topfes, auf eine Baumkrone.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
824, 28
(
Lübeck
1639
):
Narrheit ists, so man [...] ein obdach / auff ein Sonnen Vhr setzt.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Uff in vermessenklichen schwang | Sin waffen, daz do ser erclang | Uff lïchtes helmes obe tach.
Uff glantzes helme obedach | Ward Livianen ain schlag gegeben.
Sappler, H. Kaufringer
29, 95
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
sie
[
schön
›Schönheit‹]
geleichet zwar aun allen haß | ainem gemalten salzvaß | das hat ain schönes obedach | darauß volget pitterkait.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Ee die sunn vff prach, | Kam ich vnder paͮmes obtach | Vor ainem scharpffen rain.
3.
steht für eine Reihe konkret angedeuteter, dann aber (meist) ins Religiöse übertragener Semantisierungen im Sinne von (positiv): ›Höchstes, Überwältigendes, Schutz, Zuflucht Bietendes‹ oder (negativ): ›Erdrückendes, Leidvolles‹; die Belege mit abhängigem Gen. sind teils explikativ zu lesen; z. B.
leides obdach
›Leid‹.
Älteres und mittleres Frnhd.; Verstexte.
Syntagmen:
ein o. suchen
;
j. aller höhe ein o. sein, got ein o. aller dinge sein, js. (Mariae) natur / leib got, der gotheit ein o. geworden sein
;
sich unter Cristes obdachen der drachen erweren
;
der jammer jm. ein o
. [sein];
das o. des leides, der sele, des grases, des meien
.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Ir
[Maria]
plod menschlich nature | Wart hoer gotheyt pure | Ein obedach.
Niewöhner, Teichner
572, 7
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1423
˺):
mainstu hie nach libes gemach | oder nach der sel ob tach?
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
3576
(
schwäb.
, Hs.
1478
):
Jerome huͦb an und sprach | ,Urhab alles laides obedach!‘
Ebd.
4701
:
Owe mir ymmer ach! | Als jamer mir ymmer obedach, | Mir vil armen Fridrich ymmer schwach!
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Der tag | Den hag | Durchleüchtet, | Feüchtet | Plömlein vnd das gras, | Nasz ist ir obetach
(hier wohl: ›Tau‹; ütr.).
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 62
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
was wunders ie von got geschach, | was ie proheten mund gesprach, | des was dein
[Maria]
leib ain obedach.
Klein, Oswald
40, 5
(
oobd.
,
v. 1408
?):
Blick durch des maien obedach | und tröst mich, lieb, für ungemach
(auch als ›Hütte, Laub‹ lesbar).
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wan got selber sprach, | Der aller ding ist ain obtach: | ,Wir machend ein mensch nach unserm bild‘.
Wackernell, H. v. Montfort ;
Niewöhner, a. a. O.
155, 90
.