obdach,
auch
obedach,
das
.1.
›Dach als den Menschen schützende Abdeckung eines Gebäudes‹; damit metonymisch zugleich: ›Ort der Vertrautheit, des Schutzes, Unterkunft, Behausung, Herberge‹; von unten nach oben gesehen auch: ›Decke, über dem Wohn-, Aufenthaltsraum‹; vgl. (Adv.) 1, 1; 2; 3.Phraseme:
was unter dem obdach liegt
Rechtsformel zur Sicherung der Ansprüche einer Frau, die wieder heiratet; seinen rücken unter das obdach stellen
Rechtsformel, die den Schutzraum für einen Verfolgten angibt.Bedeutungsverwandte:
.Syntagmen:
ein o. haben
; j. jm. schild und o. sein
; sich ane o. auf die erde niederlegen, jn. für ein o. tragen, j. in einem o. sein, unter ein o. kommen, als unter einem o. ruhen
; das böse o.
; ein haus mit o
.Belegblock:
der keiser [...] wolt nit me komen under kein obetach, er wer danne zu Presburg.
Joseph sach da ab einer wusten hulen | ein obtach czwuschen czwaien hausern ston.
Ebd.
449, 558
: [die teufel] furten in gen ainem haus, | da waz das abtach und die wende | Mit swarczem rach | grauslichen an zu sehen.
Der kuedieb spricht: Ach, ich bin des von hertzen fro, | Das ich nur bin in dem obtach.
Er
[Tempel]
het kein obedach, | Das ist mir schwer und leit. ‒
Vgl. ferner s. v. .2.
eine mit obdach
1 in Vergleich gesetzte Abdeckung verschiedener Gegenstände; extensional z. B. bezogen auf die Oberseite eines Helmes, eines Topfes, auf eine Baumkrone.Belegblock:
Narrheit ists, so man [...] ein obdach / auff ein Sonnen Vhr setzt.
Uff in vermessenklichen schwang | Sin waffen, daz do ser erclang | Uff lïchtes helmes obe tach.
sie
[
schön ›Schönheit‹]
geleichet zwar aun allen haß | ainem gemalten salzvaß | das hat ain schönes obedach | darauß volget pitterkait. 3.
steht für eine Reihe konkret angedeuteter, dann aber (meist) ins Religiöse übertragener Semantisierungen im Sinne von (positiv): ›Höchstes, Überwältigendes, Schutz, Zuflucht Bietendes‹ oder (negativ): ›Erdrückendes, Leidvolles‹; die Belege mit abhängigem Gen. sind teils explikativ zu lesen; z. B. leides obdach
›Leid‹.Älteres und mittleres Frnhd.; Verstexte.
Syntagmen:
ein o. suchen
; j. aller höhe ein o. sein, got ein o. aller dinge sein, js. (Mariae) natur / leib got, der gotheit ein o. geworden sein
; sich unter Cristes obdachen der drachen erweren
; der jammer jm. ein o
. [sein]; das o. des leides, der sele, des grases, des meien
.Belegblock:
Ir
[Maria]
plod menschlich nature | Wart hoer gotheyt pure | Ein obedach. mainstu hie nach libes gemach | oder nach der sel ob tach?
Jerome huͦb an und sprach | ,Urhab alles laides obedach!‘
Ebd.
4701
: Owe mir ymmer ach! | Als jamer mir ymmer obedach, | Mir vil armen Fridrich ymmer schwach!
Der tag | Den hag | Durchleüchtet, | Feüchtet | Plömlein vnd das gras, | Nasz ist ir obetach
(hier wohl: ›Tau‹; ütr.). was wunders ie von got geschach, | was ie proheten mund gesprach, | des was dein
[Maria]
leib ain obedach. Blick durch des maien obedach | und tröst mich, lieb, für ungemach
(auch als ›Hütte, Laub‹ lesbar). Wackernell, H. v. Montfort ;
Niewöhner, a. a. O.
155, 90
.