notzerren,
V.
›(eine Frau) vergewaltigen‹;
notzerren
gilt neben
brand
1,
dieberei
1,
raub, totschlag
als schweres Verbrechen, das nach Überführung des Täters durch Zeugen mit
enthälsen, enthaupten, das haupt abschlagen
geahndet wird.
Obd.
Syntagmen:
jn. (eine tochter
›junge Frau‹
/ magd / schwester, das weib, die klosterfrauen
)
n
.
Wortbildungen:
notzerre
,
notzerrung
.

Belegblock:

Fischer, Folz. Reimp.
17, 19
(
Nürnb.
um 1488
):
Mein schwester selber genotzert, | Mein dochter irs meitums erwert.
Ebd.
104
:
do ich zwenczig jar nam ein, | Notzerret ich die schwester mein, | Die ich unter eim schreiber vant
(jeweils bewußt spielend zwischen ›jn. hinwegzerren‹ und ›jn. vergewaltigen‹; nhd. Überschrift des Textes: „mißverständliche Beichte“).
Kurrelmeyer, Dt. Bibel Var. (
Straßb.
1466
):
er hett sy lieb. vnd zuckt sy
[Var. 1475
2
:
notzúckt
; 1476-90:
notzerte
; 1507/18 /
Eck
1537:
notzoget
;
Dietenberger
1534 /
Luther
1545, 1. Mose 34, 2:
schwechet
]
: vnd schlieff mit ir. vnd vertruckte die meide mit gewalt.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
M. 16. Jh.
):
Von der jungfrauen nottzerung. Item, wann ein junkfraw einen zeicht er hab si bracht umb ir ehre, wie si daß mit recht auf in weisn soll?
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
welche feind Christi [Littauer] also in die march Brandenburg gefallen sein, haben [...], die clöster und stift geplündert verprent, die closterfrauen genotzert.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
15. Jh.
):
der landrichter hat in dem ambt [...] nicht zu greifen noch zu pehauern noch zu vodern noch zu richten dan alain vierlai sach: raub, prant, dieperei, nottzerrn.
Es hat auch kain landrichter umb nichte anders an des pharrer amptman [...] ze vordern wenn dreierlai puss, das ist notzerr, diephait und totsleg.
Rössler, Stadtr. Brünn (
mähr. inseldt.
,
1. H. 14. Jh.
):
Um notzerre. Wier haben geseczt vesticleich, wer ein ersam vrauen oder iungvrauen notzert oder czuck und daz diselbe vrau oder iuncvrau [...] mit czwain ersam mannen daz peweren mack, daz si geschrieren hab, so schol sich einer unschuldigen mit dem veurigen eisen.