monstranz,
die
;
-Ø/-en
;
zu
mhd.
monstranze
(), dies über
mlat.
monstrantia
aus
lat.
mōnstrāre
›zeigen‹
(
Kluge/S.
2011, 633
).
1.
›(in der Regel) kostbares Gefäß für die geweihte Hostie (als Leib Christi), seltener für Reliquien‹; vereinzelt tropisch für die Mutter Gottes (vgl. dazu das Bildfeld unter 3).
Gewisse Beleghäufung für wirtschaftsbezogene und berichtende Texte.
Phraseme:
auf die monstranz
(statt z. B.:
auf das sacrament
)
hantieren / zugehen
›es bei den Vorbereitungen belassen, nicht zum Kern des Vorhabens kommen‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. ; häufig im Orientierungsfeld mit 1; 4, (
das
), , , 3; 5, , .
Syntagmen:
eine m. ankommen / besorgen / küssen / machen / vergulden, (aus der kirche) nemen / zerschlagen
, [wohin]
stellen, von sich setzen, monstranzen gegen Rom bringen, eine m
. (in einem
gesicht
)
mit sich füren
;
der glaube eine m. sein
;
den monstranzen es
[wie]
ergehen
;
die monstranzen messing sein
;
einen stein auf eine m. werfen, den leichnam aus der m. schütten, in der m. etw. tragen / zeigen / aufbehalten, das sacrament in der m. sein, etw. in eine m. setzen, ein heiltum in die m. tun, mit monstranzen gulden schaffen, das herz zur m. weihen / zubereiten
;
die m. gottes
;
die m. mit heiltum
;
die ewige / geringe / gezierte / grosse / guldene / gute / hülzene / köstliche / kupferne / silberne / lebendige m
.
Wortbildungen:
monstranzendeuter
,
monstranzenhaus
.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1404
):
6 m. Willam goldsmydt vor machelon, eyne monstrancze uf das hus in die kirche zu machen, [...] und 6 m. 1 fird. vor 6 nobeln, die monstrancze zu vorgulden.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
47, 12
(
preuß.
,
1415
):
In der kirchin: 2 gancze ornaten, [...], 1 silberyn crucze, 1 monstrancia.
Luther, WA (
1518
):
das ist so heilig und so hoch, das man es in kein Monstrantz, in kein Silber oder gold setzen mag.
Ebd. (
1520
):
Solch unterricht hab ich meynen lieben propheten, den Monstrantzen deuter und genß kuͤcker, guter meynung nit wollen bergen auff diß newe Jar.
Ebd. (
1544
):
da der heilige Geist des Menschen hertz [...] weihet zum heiligen Haus und Wonung, Tempel und Monstrantzen Gottes.
Der Glaube mag wol ein klein und gering Monstrantz oder Buchslin sein, es ligt aber darein ein solch edel Kleinot, [...], das Himel und Erden nicht behalten kan.
Procession vmb die kirchen mit fannen, kertzen, sprengkessel, Monstrantz, Himel.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Man stellet jns Monstrantzen hauss | Ein Mewsfal, da fing man ein Mauss.
Skála, Egerer Urgichtenb.
24, 3
(
nwböhm.
,
1562
):
dj Monstrantzen sein nur Messig gewesenn.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Dw
[Maria]
arch und aüch monstrancze, | Dar in das edel manna lack.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
kelch, monstranzen und andere clainoter sampt anderm stellten sie zu aim rat.
Ders., Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Sy namen den pfarhof [...] ein, namen monstrantz, creutz und cleinhat.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
148
(
schwäb.
,
1455
):
Du wol geziertu monsterancz, | Der gotheit spiegel und luczern.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1509
):
Was aber von monstrantzen, gurtel, ring und subtilerer arbeit gemacht wurdt, daͧ sol ein jeder mit dem goldschmid verkomen umb sin lon.
Bremer, Voc. opt.
12038
(
halem.
,
1328 f.
):
Ciborium [...] kristesbuͤchse [...] cristbúchs [...] monstrantz [...] est piramidalis structura decenter ornata pro custodia sanctissime sacramenti.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
wa sie
[Hussiten]
monstrantzen ankamen die namen sie und schutten gots leichnam darauß.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
aber wie man sagt, so hats der Adler verleugnet und ist also uf die monstranz und nit ufs sacrament zugangen.
do es an ain treffen gieng, do leugnet er auch und het nur uf die monstranz gehandirt.
Bastian u. a., Regensb. UB
422, 48
(
oobd.
,
1375
):
hintz dem tum in die gustrey mein gutew grozzew monstrantz, daz man mir einen ewigen jartag haben soll.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 182, 34
(
schwäb.
,
um 1522
):
da er dar kam, ließ er ein groß kostlich musterantz machen von sylber vnd thet darein daz hochwirdig haltum.
Ziesemer, a. a. O.
123, 6
;
Wyss, Limb. Chron. ;
Palmer, Tondolus ;
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
479, 18
;
485, 40
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr. ;
Goldammer, Paracelsus
5, 181, 23
;
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. ;
Straus, Juden Regensb.
168, 22
;
Zingerle, Inventare ;
Rot
329
;
Vgl. ferner s. v. 1, 2, 1.
2.
›Anzeichen, Anzeiger für etw. Wunderhaftes‹.
Bedeutungsverwandte:
3, , ; vgl. 1, 3, (
das
).
Wortbildungen:
monstrieren
(dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Rot
329
(
Augsb.
1571
):
Monstrantz, Ein zeyger eines wunderlichen dings / Ein vnterrichter / weyser / lehrer. [...]. Monstrirn, Zeygen / weysen.
3.
tropisch für ›Mensch‹; motiviert über ›Mensch als
gottes bild
‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
Und was ist des Menschen Leib weder ein schoͤne Monstrantzen, darin der unfletige, stinckender Heilige sitzet (der Bauch).
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
67v, 4
(
Leipzig
1588
):
Darumb auch vnser HErr GOtt wil / solch edel Bilde vnd koͤstliche Monstrantzen / von menniglichen / hoch / thewer / lieb / vnd werdt / gehalten haben.