miltig,
miltiglich,
Adj./Adv.,
ersteres relativ selten belegt, letzteres die Regelform, meist adv. gebraucht; vgl. (Adj.) 1.1.
›gütig, freundlich gegenüber den Mitmenschen, fromm‹; vgl. (Adj.) 1; diesem gegenüber semantisch kaum spezifizierbar gebraucht.Belegblock:
Dise frowe [...] fuͦrte den
[
rúdigen menschen]
in iren garten vnd [...] beschar ime sin hoͮbet vnd reiniget ime sine armen kleider. Dis sohent ire iuncfrowen vnd stroffeten sú dar vmbe. Des lachete su uil miltekliche. Die gnad gottz [...] wyst úns fürbas, was wir tuͦn sollint, und spricht: [...] ,Wir sollint messiklich und grechtiklich und miltiklich wandlen‘.
2.
›freigiebig, mild, großherzig, großzügig im Geben (von Personen aufgrund ihrer Gesinnung, aufgrund ihres lehnsherrlichen Status sowie von ihren Handlungen gesagt)‹; vgl. (Adj.) 2.Phraseme:
miltiglich zu nemen / reden
›allgemein gesprochen, ohne auf Details zu achten‹.Syntagmen:
miltiglich austeilen / leben, miltig(lich) etw. ausgeben / austeilen
(z. B. gut
) / darreichen / geben
(z. B. eine spende
) / verzollen
(z. B. geld / gut
), miltiglich etw. von sich geben, etw.
(z. B. speise
) mit jm. teilen
, miltiglich gegen jn.
(got
) leben, jn. miltiglich begaben, jm. miltiglich guttaten erzeigen.
Belegblock:
Exempla der jenigen Comicorum, welche ihrer Arbeit vnd Muͤhe halber von den hoͤhesten Potentaten reichlich vnd mildiglich sind begabet worden.
das sie darin Christo zu gehorsam [...] den Leuten dienen, gerne und mildiglich von sich geben und andern mitteilen, was jnen von Gott vertrawet [...] ist.
der Haußmutter guter wille / | Die alles dareicht mildig stille.
Der geldt ind gudt seer myldentlych | Hant sy vertzouldt vmb troemsche rych | Tzu halden ind duytsche nacij | Buyssen noit ind tribulacij.
So wechset vrost, der cle und gras | Verstellet und was grune was. | Aber her von dem suden sich | Di vlyz irgyzen mildeclich.
Du solt och leben miltiklich gegen gott, also daz du in allen dingen in vor ogen habist, [...] allain im glori und er gebist.
guͦttaten, so die herrn Fugger [...] menigclichem in sonderhait von reichen und armen burgern miltigclichen ertzeigt haben?
Aber der geist, miltichleich ze reden, mag genomen werden [...] fur ain ieglich ding, daz do snellichleich odrr haimleich mag den menschen geruͤren.
Ebd.
65, 57
: in welhem ding miltichleich sint die werch vnd züaygnung sulcher tyrlein, die werdent nicht geworcht von dem hailigen geist.
Ebd.
97, 7
: Daruͤber ist ze antwürten, daz, miltigchleich zu nemen daz wort offenparung, so mag man das verhengen, daz ain iegleiche offenbarung der warhait, [...], sey ain offenbarung gots.
Bauer, Geiler. Pred.
81, 22
; Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 254, 13
; Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 505
.3.
›mildtätig, barmherzig, gnädig, gütig (von Gott, vereinzelt von Maria, von Gottes Handlungen, auch von den zugeteilten Gaben gesagt)‹; vgl. (Adj.) 3, im Unterschied dazu aber deutlicher auf die als Gnadengabe verstandenen irdischen Güter bezogen.Syntagmen:
etw.
(Subj., z. B. arbeit
) miltiglich zur erbauung gereichen, j. (Jesus) miltiglich sprechen, sein blut miltiglich (ver)giessen, miltiglich blut schwitzen, j.
(jm.
) etw. miltiglich erzeigen
(z. B. den segen
) / geben
(z. B. gaben
; mehrfach) / leihen
(z. B. glük
) / schenken
(z. B. wasser
) / teilen
(z. B. brot
) / umstreuen
(z. B. gaben
), j. die creatur miltiglich speisen, die tugend jn. miltiglich belonen / trösten, j. jn. miltiglich belonen / trösten, jm. miltiglich lonen, j.
(z. B. der herre
) / etw.
(z. B. die tugend
) jm. miltiglich bei sein
; die miltige gabe.
Belegblock:
da er mit jnen rang und kempffet, das er darob miltiglich blut schwitzet.
daß die vnsterbliche Goͤtter dich [...] mit hohem Verstande vnd Weißheit / mildiglich begabet [...] haben.
ditz wazzer schenket si
[Maria]
mildeclichen | den armen und den richen. Jhesu Crist, | der dye mentscheit hoist erloyst | und mich hoist myldyglich getrost!
Alß der ebige Gott [...] dieß bergkwergk mit vielen edlen streichenten gängen [...] gar miltigliech [...] gesegnet hat.
Der da gar miltigleichen | pelanet alle dy, die sich | üben und fleissen emssiglich | seins willen.
daß diese vnsere Arbeit [...] zu vnser Erbawung mildiglich gereiche.
in der minne beger ich, daz du
[
herr]
mir in allem lidenne milteklich bi sist. Zu den fúrsten, der maisterschaft, | Die da warent mit gewaltes kraft | [...] | Sprach Ihesus milteklich also.
dy guͦthait, dye allew ding milltikleich ist czyerend.
4.
›das Erwartbare, Übliche übersteigend‹; auch: ›in außergewöhnlicher Weise‹; im einzelnen: ›reichlich fließend‹ (von blut
, von einem flies
›Fluß‹); ›reichhaltig‹ (von einem Brunnen); ›im Überfluß vorhanden‹ (von bestimmten Eigenschaften von Tieren); vgl. (Adj.) 4.Belegblock:
das sie
[
Pfeile des Teufels]
den engstlichen blut schweis mildiglich zu seinem Leibe eraus gedrungen haben. 5.
›sanft ansteigend (von Geländeformationen)‹.Belegblock:
es syen dry gemain gestalten des irrdischen: veldesch, búchelsch, bergesch. Das veld nit geschickt oder gelegen sin mit der gelichosten noch durch wegnen ebny, aber wenig genaigt, den búchel miltklich und lichtklich uff stigend, den berg hoͮch und scharpff.