miltig,
miltiglich,
Adj./Adv.,
ersteres relativ selten belegt, letzteres die Regelform, meist adv. gebraucht; vgl. (Adj.) 1.
1.
›gütig, freundlich gegenüber den Mitmenschen, fromm‹; vgl. (Adj.) 1; diesem gegenüber semantisch kaum spezifizierbar gebraucht.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, 1, (Adj.) 2, 1, , 1, 1.

Belegblock:

Williams u. a., Els. Leg. Aurea
810, 11
(
els.
,
1362
):
Dise frowe [...] fuͦrte den
[
rúdigen menschen
]
in iren garten vnd [...] beschar ime sin hoͮbet vnd reiniget ime sine armen kleider. Dis sohent ire iuncfrowen vnd stroffeten sú dar vmbe. Des lachete su uil miltekliche.
Warnock, Pred. Paulis
12, 131
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Die gnad gottz [...] wyst úns fürbas, was wir tuͦn sollint, und spricht: [...] ,Wir sollint messiklich und grechtiklich und miltiklich wandlen‘.
2.
›freigiebig, mild, großherzig, großzügig im Geben (von Personen aufgrund ihrer Gesinnung, aufgrund ihres lehnsherrlichen Status sowie von ihren Handlungen gesagt)‹; vgl. (Adj.) 2.
Phraseme:
miltiglich zu nemen / reden
›allgemein gesprochen, ohne auf Details zu achten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, , 4, 3, , .
Syntagmen:
miltiglich austeilen / leben, miltig(lich) etw. ausgeben / austeilen
(z. B.
gut
)
/ darreichen / geben
(z. B.
eine spende
)
/ verzollen
(z. B.
geld / gut
),
miltiglich etw. von sich geben, etw.
(z. B.
speise
)
mit jm. teilen
,
miltiglich gegen jn.
(
got
)
leben, jn. miltiglich begaben, jm. miltiglich guttaten erzeigen.

Belegblock:

Mannack, Rist. Pers.
119, 6
(
Hamburg
1634
):
Exempla der jenigen Comicorum, welche ihrer Arbeit vnd Muͤhe halber von den hoͤhesten Potentaten reichlich vnd mildiglich sind begabet worden.
Luther, WA (
1544
):
das sie darin Christo zu gehorsam [...] den Leuten dienen, gerne und mildiglich von sich geben und andern mitteilen, was jnen von Gott vertrawet [...] ist.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
92, 1554
(
Magdeb.
1608
):
der Haußmutter guter wille / | Die alles dareicht mildig stille.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1787
(
Köln
1476
):
Der geldt ind gudt seer myldentlych | Hant sy vertzouldt vmb troemsche rych | Tzu halden ind duytsche nacij | Buyssen noit ind tribulacij.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
So wechset vrost, der cle und gras | Verstellet und was grune was. | Aber her von dem suden sich | Di vlyz irgyzen mildeclich.
Warnock, Pred. Paulis
12, 138
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Du solt och leben miltiklich gegen gott, also daz du in allen dingen in vor ogen habist, [...] allain im glori und er gebist.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
guͦttaten, so die herrn Fugger [...] menigclichem in sonderhait von reichen und armen burgern miltigclichen ertzeigt haben?
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
53, 8
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Aber der geist, miltichleich ze reden, mag genomen werden [...] fur ain ieglich ding, daz do snellichleich odrr haimleich mag den menschen geruͤren.
Ebd.
65, 57
:
in welhem ding miltichleich sint die werch vnd züaygnung sulcher tyrlein, die werdent nicht geworcht von dem hailigen geist.
Ebd.
97, 7
:
Daruͤber ist ze antwürten, daz, miltigchleich zu nemen daz wort offenparung, so mag man das verhengen, daz ain iegleiche offenbarung der warhait, [...], sey ain offenbarung gots.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
keiser Karl [...] gab mildigklich aus das guet, damit zuͦpawͦn purg und gotzhewͦser.
Helm, H. v. Hesler. Apok. ;
Koller, Ref. Siegmunds ;
Bauer, Geiler. Pred.
81, 22
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 254, 13
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz ;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 505
.
3.
›mildtätig, barmherzig, gnädig, gütig (von Gott, vereinzelt von Maria, von Gottes Handlungen, auch von den zugeteilten Gaben gesagt)‹; vgl. (Adj.) 3, im Unterschied dazu aber deutlicher auf die als Gnadengabe verstandenen irdischen Güter bezogen.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, 9, 8.
Syntagmen:
etw.
(Subj., z. B.
arbeit
)
miltiglich zur erbauung gereichen, j. (Jesus) miltiglich sprechen, sein blut miltiglich (ver)giessen, miltiglich blut schwitzen, j.
(
jm.
)
etw. miltiglich erzeigen
(z. B.
den segen
) /
geben
(z. B.
gaben
; mehrfach) /
leihen
(z. B.
glük
) /
schenken
(z. B.
wasser
) /
teilen
(z. B.
brot
) /
umstreuen
(z. B.
gaben
),
j. die creatur miltiglich speisen, die tugend jn. miltiglich belonen / trösten, j. jn. miltiglich belonen / trösten, jm. miltiglich lonen, j.
(z. B.
der herre
) /
etw.
(z. B.
die tugend
)
jm. miltiglich bei sein
;
die miltige gabe.

Belegblock:

Luther, WA Anm. 1 (
1535
):
da er mit jnen rang und kempffet, das er darob miltiglich blut schwitzet.
Mannack, Rist. Pers.
194, 30
(
Hamburg
1634
):
daß die vnsterbliche Goͤtter dich [...] mit hohem Verstande vnd Weißheit / mildiglich begabet [...] haben.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
ditz wazzer schenket si
[Maria]
mildeclichen | den armen und den richen.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Jhesu Crist, | der dye mentscheit hoist erloyst | und mich hoist myldyglich getrost!
Löscher, Erzgeb. Bergr.
142, 22
(
omd.
,
1633
):
Alß der ebige Gott [...] dieß bergkwergk mit vielen edlen streichenten gängen [...] gar miltigliech [...] gesegnet hat.
Gille u. a., M. Beheim
126, 97
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der da gar miltigleichen | pelanet alle dy, die sich | üben und fleissen emssiglich | seins willen.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
7, 25
(
Coburg
1626
):
daß diese vnsere Arbeit [...] zu vnser Erbawung mildiglich gereiche.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
in der minne beger ich, daz du
[
herr
]
mir in allem lidenne milteklich bi sist.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Zu den fúrsten, der maisterschaft, | Die da warent mit gewaltes kraft | [...] | Sprach Ihesus milteklich also.
Höver, Bonaventura. Itin. A
101
(
moobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dy guͦthait, dye allew ding milltikleich ist czyerend.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob ;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
70, 5
;
Gille u. a., a. a. O.
130, 173
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ; ; ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Adrian, Saelden Hort
8823
.
4.
›das Erwartbare, Übliche übersteigend‹; auch: ›in außergewöhnlicher Weise‹; im einzelnen: ›reichlich fließend‹ (von
blut
, von einem
flies
›Fluß‹); ›reichhaltig‹ (von einem Brunnen); ›im Überfluß vorhanden‹ (von bestimmten Eigenschaften von Tieren); vgl. (Adj.) 4.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, (Adj.) 7, (Adj.) 18, 5, (Adj.) 1.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
das sie
[
Pfeile des Teufels
]
den engstlichen blut schweis mildiglich zu seinem Leibe eraus gedrungen haben.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
ZeRome ain olei brunne uf brach, | So miltecliche vast uf qual | Das sin bach hin floss zetal.
5.
›sanft ansteigend (von Geländeformationen)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , , , .

Belegblock:

Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
es syen dry gemain gestalten des irrdischen: veldesch, búchelsch, bergesch. Das veld nit geschickt oder gelegen sin mit der gelichosten noch durch wegnen ebny, aber wenig genaigt, den búchel miltklich und lichtklich uff stigend, den berg hoͮch und scharpff.