erschellen,
auch
erschallen,
erschillen,
V.;
gelegentlich unr. abl.; Faktitivum zu und teils Vermischung mit (V., unr. abl.).
1.
›etw. erklingen, ertönen lassen‹; im Einzelnen auch: ›etw. zum Klingen, Tönen bringen‹; ›(die Stimme) erheben‹; ›etw. mit Schall erfüllen‹; ›jn. (mit lautem Lärm) stören‹; gelegentlich refl.; vgl. (V., unr. abl.) 1.
Bedeutungsverwandte:
5; vgl. , .
Gegensätze:
(V., unr. abl.) 1.

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
[angeli] sind zu samen getretten ynn einen Chor und erst den himel erschalt.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
die pfaffen die erschelten
[
Luther
1545, 1. Chr. 16, 22:
bliesen
]
die trumpten.
Niewöhner, Teichner
588, 41
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1433
˺):
so swigt der hunt und swingt sich nider, | das er nimer stim erschelt.
Wiessner, Wittenw. Ring
5383
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
[Do] der liechte tag an vieng, | Gunterfai sein bek derschal.
Ebd.
8576
:
Der Leibinger erschiel sein horn.
Klein, Oswald
16, 9
(
oobd.
,
vor 1407
):
Die voglin klingen überal, | [...] | auf perg, in tal hat sich ir gesangk erschellet.
Ebd.
30, 18
(
1422
/
3
):
mir gewirt | von ainem kindlin, so es kiert
[›schreit‹]
| und mich veriert mein singen, und erschellet | Durch manche falsche disonanz.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. ;
Klein, a. a. O.
75, 11
;
2.
›jn. / etw. (mit lautem Geräusch) erschüttern, ins Wanken, zu Fall bringen‹; auch: ›jn. (er)zittern lassen, durchzucken‹; ›etw. (z. B. ein Gebäude) zerbersten lassen‹; vgl. (V., unr. abl.)2.
Bedeutungsverwandte:
5, 2; 8, , , ; vgl. 8.

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Der
[Regen]
in dem gebirge vellet | Und di blozen
[›Nackten‹]
da irschellet.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Die [starcke vesten] mit dem bock gewaltig doch | Erschellt teglich ie lenger mehr, | Daß sie sich zerklueb also sehr.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Es [schwertt] kan wol helm erschellen | Und die gesellen vellen.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Und welchen got? der die obersten tempel deß himels mit schall erschellet.
3.
›erklingen‹; häufig ütr.: ›etw. bekanntgeben‹; vgl. (V., unr. abl.) 3.
Bedeutungsverwandte:
1; vgl. 2, (V.) 7.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
240, 35
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Wer sein gelt lest erschillen, | hat er recht, er muss unrecht hon | und auch do hinden pleiben stan.
Ebd.
434, 45
:
All sund und ungerechtikait | lass er [mensch] vor im [priester] erschillen | und hab darüber rew.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Papst Urban ist von erst erwelt | Tzu Rom, dez hoͤr ich iechen, | Die meͤr vil weiten sind erschelt.