erleben,
V.
1.
›zu einem bestimmten Zeitpunkt, bei einem bestimmten Ereignis (noch) am Leben sein‹; teils übergehend zu: ›an etw. teilhaben, von etw. betroffen sein, etw. (selten: jn.) miterleben‹; vgl. 1; 5, (V.) 1; 9.
Phraseme:
den lezten tag erleben
›sterben‹;
seine zeit erleben
›alt werden‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 7.
Syntagmen:
jn. e., etw
. (z. B.
einen tag, die zerstörung Jerusalems, die pfingsten
)
e., j. e., das [...], j. den tag e., das [...]
;
etw. an sich, an jm. e
.

Belegblock:

Luther, WA (
1523
):
Gott gelobt und in ewikeyt gebenedeyet, das wyr erlebt haben rechte heyligen und warhafftige merterer zu sehen vnd zu hoͤren.
Ebd. (
1529
):
Jch bin nicht so gar alt, aber ich hab jr viel erlebt, die sich auff jre gewalt verliessen und drauff stoltzireten.
Ebd. (
1534
):
wie wir denn gewislich hoffen, das unser etliche erleben werden, das itzige rotten und ergernis unter gehen.
Ebd. (
1537
):
[David] wuͤndschet von gantzem Hertzen, das ers erleben moͤchte, das diese Weissagung [von Christo und seinem Reich] erfuͤllet wuͤrde.
Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
den tag solt er niemer mer erleben, das er sin herre wurde.
Thür. Chron.
2r, 18
(
Mühlh.
1599
):
Noah [...] erlebte den Tag / das man von jhm vnnd seinen Soͤhnen zaltte vier vnd Zwantzig Tausendt vnd ein hundert Man.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
77, 21
(
Nürnb.
1548
):
weyl ein mensch nit kan wissen / ob er de͂ morge͂ tag erleben wer / sol er sich also in dises lebe͂ schicke͂ / das er nit gedencke ewig hie zu hausen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 222, 15
(
Hagenau
1534
):
Ich will erleben / daß du das hauß solt von aussen ansehen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Erlaͤben / Mit dem laͤben erlangen. [...]. Er hat den letsten tag Erlaͤbt / oder ist gestorben. [...]. Er hat sein zeyt Erlaͤbt. Exacta ætate est. Wir habend das Erlaͤbt / Bey vnserem laͤben ist es vns darzuͦ kom͂en.
Lauater. Gespaͤnste
39r, 20
(
Zürich
1578
):
Wie vil habe͂d wir erlaͤbt / daß man ein ding so geschliffen gsagt / als wie der tüfel einen mit lyb vnd seel hingefuͤrt.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. ;
Froning, Alsf. Passionssp. ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Wyss, Luz. Ostersp.
4469
.
Vgl. ferner s. v. (Interj.) 6.
2.
›über einen bestimmten Zeitpunkt hinaus leben, nach einem bestimmten Ereignis (noch) leben; etw. überleben‹; vgl. 1; 5, zu (V.) 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2, 4.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
ia du lieber narr, hastu sorge, der hymel falle und das wyr den tag erleben?
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, zu
1395
):
der großen pestelencien han ich vir gesehen unde irlebet.
Ebd. U (
1373
):
eẏn malder korns gereẏt Walter Wẏndenere und eẏn malder korns gereẏt [...] jungfrawen Klaren von Riczenhan, ob sij mẏnen doẏt irlebent.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
40, 3
(
thür.
,
1474
):
[Erbstreitigkeiten:]
so setczet Caspar Moller darwedder, daz ym daz unhulfflichin sy darumbe, daz daz kint syner muter tod nicht erlebeth hatt.
3.
›etw. bei Lebzeiten erhalten‹.

Belegblock:

Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
etliche of die erlept gulte verziegen hant, die man noch dode nit me reichen endarf.