erhitzen,
obd. auch
erhitzigen,
V.
1.
›heiß werden‹; ›(unter Hitzeentwicklung) brodeln, aufbrausen‹; ›auflodern, entflammen‹; auf Personen bezogen: ›schwitzen‹; ›(sexuell) erregt sein‹; häufig bildlich und ütr. auf die Wirkung von Affekten bzw. auf affektgeleitetes Handeln;
zu 2.
Phraseme:
auf jn. erhitzigt sein
›jm. zürnen‹.
Bedeutungsverwandte:
13; 14; 15, , , ; vgl.
2
.
Gegensätze:
1, 1.
Syntagmen:
j. / etw
. (z. B.
der drache / krieg, die minne, das erdreich / herz
)
e
. (absolut);
j. / etw. sich e
.,
sich
[wie] (z. B.
fast / schamlich
)
e
., [wobei, wovon] (z. B.
durch anstrengung, gebete, in andacht / ernst / grim, in dem trank, in der brunst / liebe, vom jagen, von der angst / sonne, von dem feuer, von der begierlichen rede
)
e
;
das herz jm. e
.; passivisch:
j. / etw. erhizt / erhitzigt sein / werden
.
Wortbildungen:
erhitzigkeit
›Entflammbarkeit‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Darûf irhitzit was sin mût | in mortlîchin vreisin.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
154
(
pfälz.
,
1436
):
mit hilffe jres liechts, das da lüchtet der vernonfft vnd zündet zu erhietzikeit der begirde.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
779
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
und derhitzte daz / herze in mir, | und wuhs ain feur in meiner pegir.
Gille u. a., M. Beheim
453, 2215
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sie waren hellig turstig und | vil vast erhiczigt.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Kannst du
[ein faules Pferd]
denn nicht erhitzen? | Halt, halt, ich wil dich machen schwitzen.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
do waz sin herz neiswi erhizzet von siner begirlichen rede in goͤtlicher minne.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Als der hirtz von ieglicheme jagene ungeliche me wurt erhitzet und me sin turst wechsset [...].
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
diewil ouch wir soͤlichen krieg zuͦ erstecken flis haben, der aber mer erhitzigen wúrd [...].
Maaler (
Zürich
1561
):
Erhitzigen / Erwaͤrmen. [...]. Jn die brunst kommen. [...]. Erhitzigen wie ein neüwer weyn in dē vaß.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
gang neher zu disem füir so erhitzigst mer dann genug.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
der trach erhitzet gar vast in seim flug.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
88, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Do ward die minn erhitzen; | ir paider hertz do wurden minne wund.
Stoltzius, Chym. Lustg. ;
Gille u. a., a. a. O.
279, 45
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Pfaff, Tristrant ;
Pfeiffer, a. a. O. ; ;
Klein, Oswald
117, 54
;
Rot
297
;
318
;
Vgl. ferner s. v. (
die
) 2.
2.
›jn. / etw. / sich erwärmen, erhitzen, zum Schwitzen bringen‹; bildlich im Übergang zur Ütr.: ›etw. schüren, entflammen‹; speziell: ›starke Gefühle (bei jm.) erwecken‹; ›jn. in Erregung versetzen, aufregen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1; 2; 3; 4, 1; 6; 9.
Syntagmen:
der wein e
. (absolut);
etw
. (z. B.
den felsen / handel / magen / mut, das bad / herz, die nieren
)
e
.,
etw
. (Subj., z. B.
der wein / zorn, die wat, das fieber
)
jn. e
.,
der heilige geist, die liebe das herz, die bewegung die sele e
.
Wortbildungen:
erhitzung
›Entzündung‹ (ütr.; dazu bdv.: 3, ).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Jes. 5, 11
(
Wittenb.
1545
):
WEh denen die [...] sitzen bis in die nacht / das sie der Wein erhitzt
[
Cranc
, 14. Jh.:
prusit von win
;
Mentel
1466:
das ir derhitzt mit dem wein
; Var. 1508/18:
erhitziget werden
; nd. Bibel 1478:
van dem wine heet werdet
;
Wormser Proph.
1527:
brennen vor wein
;
Froschauer
1531:
überlauffend mit weyn
;
Eck
1537:
hitzig seit vom wein
].
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Wenn euch der zorn erhitzen thuͦt, | [...].
Strauch, Par. anime int.
23, 11
(
thür.
,
14. Jh.
):
von ewigin dingin, so wirdit si [di sele] bewegit, und von der bewegunge wirdit si irhitzit, und von der irhitzunge so wirdit si irwirdit.
Thür. Chron.
7v, 15
(
Mühlh.
1599
):
Da lies er [...] grosse Fewr machen / damit erhitzt er den Felß.
Roloff, Brant. Tsp.
1708
(
Straßb.
1554
):
Ich hab ein schelmen noch dinn sitzen | Dem kan ichs bad nit gnuͦg erhitzen.
Menge, Laufenb. Reg.
5737
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Das kein starker guͦter wyn | Ze schier [dem siechen] werde geben yn | Vnd was zeuil erhitze.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
13, 4
(
tir.
,
1464
):
in pekümmret vnd erhiczet das starkh vieber.
Kehrein, a. a. O. ;
Plant u. a., Main. Naturl.
297ra, 19
;
Klein, Oswald
32, 27
;
Vgl. ferner s. v. 1.