büchse,
die
;
–/-n
,
auch
büchs
;
2
busse,
die
;
–/-n
;
2
buxe,
die
;
–/-n
;
zu
mhd.
bühse
›Büchse, eiserner Beschlag, Feuerrohr‹
(, 379f.), dies aus
lat.
pyxis
›Büchse‹
(
Georges
2, 2110
),
griech.
pyxís
›Döschen aus Buchsbaumholz‹
, das auf
griech.
pýxos
›Buchsbaum‹
zurückgeht (
Kluge/S.
1995, 142
).
1.
›Behältnis, Gefäß für unterschiedliche Substanzen (z. B. Arzneien, Hostien, Puder, Salben)‹, metonymisch ›Kasten, Schatulle‹; auch ütr.
Syntagmen:
eine b. drehen; etw. in eine b. legen / setzen / tun / verschliessen; eine b. mit arznei / bruchsilber / oblaten / salbe /schminke / wagenschmer / wasser; eine beinerne / beschlossene / gedrehte / goldene / helfenbeinerne / hölzerne / lange / messingsche / silberne b
.

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
1566
):
1 hulzen buss mit 2 dosin hulzn teller.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
131, 17
(
preuß.
,
1400
/
2
):
wir haben von ym czu pfande 1 hantveste in eyner beslossenen buͤchse.
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1399
):
eyn paternoster von weyssen bornsteyn mit eyner bochsen.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
94, 21
(
preuß.
,
1437
/
8
):
eyne silberne buxse zcum sacrament.
Struck, Joh. Pfannstiel
183, 37
(
mosfrk.
,
1548
/
9
):
Vor wagenschmeyr und 1 boß darzu 7 alb.
Rueff, Rhein. Ostersp.
633
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
Daz erste boschin daz ist clein, | dar in so lyt eyn edel-stein.
Struck, Marienst. Wetzlar
1172, 29
(
hess.
,
1497
):
Require in eyner helffenbeyn bussen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
91, 2
(
Frankf./M.
1568
):
Ich dreh von Buchßbaum buͤchßlein klein.
Strauch, Par. anime int.
137, 16
(
thür.
,
14. Jh.
):
alse he ist undir deme sacramento, in einir bussin hette gelegin an deme karfrîtage.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3652
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wer eine spinne in ein busse thu.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
Dô ginc zů ime ein wip, di hatte eine mermelin buchsin der salbin einer tuͤren gemengeten nardi.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 28, 27
(
md.
,
1425
):
1 busseleinn midt silber flinder.
Pyritz, Minneburg
3858
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Leg ez dann in dines hertzen schrin | In ein vil heimlich buchselin.
Keil, Peter v. Ulm
80
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Daz stoß alles wol vntereinander vnd thu es jn ein püchssen.
Gille u. a., M. Beheim
123, 123
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
o mein sel, in dem nam Jhesu | sam in aim puchslin rainen | Hast verspert gar ain edle salb.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
um 1490
):
Und wil dir der edlen salben schenken, | Die ich in diesem büchslein han; | Die wil ich dir meisterlich streichen an.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
483, 25
(
nobd.
,
1527
):
ij buchsleyn mit altem pruchsilber und sunst ander pruchsilber mer auch in dem selben truhelein.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
79, 21
(
els.
,
1362
):
Ein kneht brohte sime herren zů sinre wurtschaft eine busse vol wassers.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
ein weip genacht sich zů im habent ein búchs der teuren salben.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 245, 22
(
schwäb.
,
um 1522
):
Da prachten sy vns daz vff den wagen mit der buͤxen.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
derowegen verschluͤßt er solches mit sambt dem Wachs in ein rein Gefaͤß oder Byxlein.
Kläui, Schweiz. Urbare
2, 13, 10
(
halem.
,
1371
):
sol das gotzhus ze sant Blesin dar umb jaͤrlichs ze sant Andres tag geben dem selben kilcherren zwen buͥttrich und ain buͥchs vol oblaten.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
unser herre [...] hate ein buͤchsen in der hant.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1495
):
i puchsn mit hultzen tällern.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die slangen vâhent die ärzt und die apotêker und behaltent si in pühsen.
Hampe, Ged. v. Hausrat
3, 5, 15
(o. O.
um 1480
):
Ein puchs mit allerley spezerey.
Bremer, Voc. opt.
1, 228
;
Schmitt, Ordo rerum
276, 34
;
Voc. inc. teut.
d iiijr
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 27
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 70
f.;
Lehmann, Rezeptb.
165
;
Dietz, Wb. Luther f.;
Preuss. Wb. (Z)
1, 853
;
Bad. Wb.
1, 358
;
Öst. Wb.
3, 1270
.
2.
›Geldbüchse, -kasten, Kasse, Opferstock‹.
Syntagmen:
eine b. plündern / stelen / umgehen lassen / verstelen; gelt in die b. einlegen / geben / legen / schaffen / stossen / werfen, gelt aus der b. geben / nemen; ein schlüssel zu der b.; eine eiserne / gemeine / lere / verschlossene b
.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1397
):
Vort sowilch man van disme ampte einichen leirknecht ůpsetzet, die knecht geven zwae m. in die büsse vurs.
Ebd. (
rib.
,
15. Jh.
):
Und de boissen, de davan komen, de sall man in ein buis werfen.
Rudolph, Qu. Trier (
mosfrk.
,
um 1540
):
Was auch van gelde daeselbst geloist wird, soll treulich in eine buichse, die man darzue verordnen soll, alle woche in biesin der zweien biremeister gethan [...] werden.
Laufs, Reichskammergo.
144, 28
(
Mainz
1555
):
und soll der bottenmeyster sollich gelt jedesmals eygentlich aufschreyben und in die büchsen einlegen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 276, 34
(
hess.
,
1559
):
das ander theill die gemein puchs mit dem gelt in irer verwaltung und verwarnung.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1528
):
All wuchen im sonabent sollen schichtmeister [...] 2 heller einnemen und in ein verschlossene lad oder buchs bei dem berckmeister einlegen.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
97, 35
(
nobd.
,
1381
):
daz er den lodern ein puhsen mit gelt verstal.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1468
):
tätte die eusseren türe des gewelbs auf, und da zwischen stunde ein eysene büchsen, darin weren etlich secklin mit guldin.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1394
):
ain lernknab soll geben ein halben gulden in ir buͥchs, ee er anstand.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
dise zwei handtwerck sind ain zunft gewesen, doch hat ain jedes handtwerck sein besonder bixen.
Ebd. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
das gelt soll alls in des rats büxen gelegt werden.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Darnach nam Hans Spett dem fursten das schloß Wartstain ein und was darzu gehört, plindertz buchsen.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
A. 16. Jh.
):
die büchsen söllen sie lassen umbgan.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1403
):
der sol och das selb gelt in ein buchsen legen und behalten.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1611
):
So es nun paßiert wirt, soll der heimbsch dry und der frömbd sechs cronen den herren und meisteren in ihre büchsen zeerlegen schuldig syn.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1380
):
swaz davon gevellet, daz sol er allez gar und gentzlich legen in die puͤchsen.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1426
):
es sol auch der herr [...] ainen schlussel haben zu der ausferigen puchsen.
Skála, Egerer Urgichtenb.
137, 7
(
nwböhm.
,
1574
):
Dem Gardian Im obern kloster hab er 4 Behemische Auß 1 Buchsel gestolen.
Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1552
):
han ÿch Entphangen aŭsz der bissenn fl. 1 asp. 11.
3.
›Feuerwaffe, Schieß-, Jagdgewehr‹; auch: ›Geschütz, Kanone‹.
Bedeutungsverwandte:
1, I, 1.
Syntagmen:
eine b. abschiessen / anzünden / anrichten / bringen / erfinden / füren / gewinnen / giessen / haben / nemen / schicken / schmieden / spannen / stelen / verschmelzen / verordnen / ziehen / zücken; b
. (Subj.)
abgehen / aufkommen / liegen / versagen ; mit/aus einer b. schiessen, etw. mit einer b. beschiessen; eine b. auf karren / rädern / wagen; eiserne / geladene / grosse / kleine / kupferne / mittelmässige / silberne b
.
Wortbildungen:
büchsenbok
(a. 1409),
büchsengeschos
›Schießgerät‹,
büchsengezeug
›Schießgerät‹,
büchsenhalfter
(a. 1633),
büchsenladung
(a. 1636),
büchsenrad
(a. 1409),
büchsenschirm
›leichtes Schutzdach für ein Geschütz‹,
büchsentragen
(a. 1663).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
das etzliche Burger in hauffen mit dreylütigen buxen zu Leipzig gewest.
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1402
):
3 m. an 1 firdung vor zwu buchsen von nuwes wider zu gyssen und vor koppir und vor ander arbeyt zu den buchsen.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
615, 20
(
preuß.
,
1396
):
2 grosse bochsen, czur grosten 48 steyne.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
252
(
preuß.
,
1411
):
do von meyster Johan bochsen smeden sal.
Volkmar (
Danzig
1596
):
Tormentum [...], ein groß geschuͤtz / ein buͤchse.
Chron. Köln (
rib.
,
15. Jh.
):
darna up sent Manertz dach zoich ein stat Coelne us me dan mit 2000 perden ind mit herwagen, mit schutzen ind mit boissen.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
725
(
Köln
1476
):
Myt armbursten ind myt bussen, | Myt swerden scharp ind schussen | Erwechten sy dye vyant, | Der doe dayr vyll erslagen wart.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
54, 3
(
Frankf./M.
1568
):
Ich kan mancherley Glocken gießn / | Auch Büchsen / darauß man thut schießn.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Die Voͤgel schossen wir zuzeiten mit vnsern Buͤchsen.
Schmitt, Fachprosa
42, 21
(
rhfrk.
,
1430
/
89
):
Wie man inn eyn yettliche büchß, groß oder klein, die stain hawenn sol, das sy gerecht darinn werden.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
czogen dy von erffort uss mit IX wagen fol wepener mit buchssen unnd armasten.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
106, 20
(
nobd.
,
1392
):
ein puchsen, die einen zenten scheusset.
Gille u. a., M. Beheim
329, 91
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Nebn und ob mir enbor | giengen in schneller eile | vil puchsen, klacz und pfeile, | und gat halff mir ach hie.
Hampe, Nürnb. Ratsverl.
1, 512, 22
(
nobd.
,
1555
):
das die klainen stücklein püchsen dem churfürsten zu Sachsen zustenndig seyen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
um 1525
):
Darnach umb fünf or hat man zwo zelt, drey wegen mit pulfer und stain, zwo püchsen sampt ander kriegsrüstung verordnet.
Sachs (
Nürnb.
1529
):
Inn mitler zeit er doch anricht | Ein büchsen auff den Kerndter thurn.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
ist aber einer geschossen mit einer büchsen vñ der klotz noch dar innen steckt.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Der christlich glaub gibt vnß fridt, | Den woͤllen wir verschmahen nit, | Mit hertz vnd beiden henden nemen, | Vnd alle büchsen tragen zůsemen, | Verschmeltzen vnd glocken daruß machen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1390
):
und tauten in grossen schaden mit werfen und mit schiessen uz den puchsen.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1446
):
die hoptlüt, die uf die turn zů den büchsen geordnet werden, das die gerüst und gerecht sein.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
User dem so nim ich, das die büchsen lenger in deutschen landen gewest und elter sein, dann gemainlich darvon gesagt wurt.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 172, 33
(
schwäb.
,
1527
):
Es soll kainer kain spieß, bichsen, armbrost, bogen, hillebart oder würfhack in kain wirtzhuß in die stuben tragen.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1507
):
Da was meing buͤchs, da ob trißig rossen an zugend.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
16. Jh.
):
wann man einen armen sünder außführet, solle der bittel mit geladener bix hinter ihm hergehn.
Dierauer, Chron. Zürich
89, 7
(
halem.
,
1415
/
20
):
das man [...] mit vil búchsen und andren geschútz hinin schoß.
Jörg, Salat. Reformationschr.
850, 6
(
halem.
,
1534
/
5
):
Sj habend nit me dann ix stuck büchsen jn jr schantz ghan.
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
1, 102, 29
(
m/soobd.
,
1445
):
gueten deixelwagen mit 4 pferden, darauf man stain, puxen, pulver und ander notturft in das veld füere.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1446
):
ain messin püchs, scheust ain stainn von zehen phunden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz geschiht sô lang, unz daz er sô gar snell und vesticleichen wirt her nider geworfen, sam ain geschôz, daz man auz pühsen scheuzet.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
schussen mit grossen puchsen der mawr an dem geschloss einem micheln tail ganntz eben ab.
Skála, Egerer Urgichtenb.
109, 12
(
nwböhm.
,
1573
):
2 Menttl, 2 Rock vnd 1 Buchsen Rauß gstohlen.
Joachim, a. a. O. ; ; ; ; ;
Ziesemer, Gr. Ämterb.
7, 23
;
16, 10
;
149, 17
;
769, 23
;
Meisen, a. a. O.
303
;
460
;
662
;
737
;
1111
;
2023
;
3118
;
Gille u. a., a. a. O.
327, 126
;
453, 1049
;
453, 1166
;
453, 1176
;
453, 1929
;
453, 2241
;
Hampe, a. a. O.
1, 71, 31
;
86, 1
;
412, 25
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw. ; ; ; ;
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. ; ; ;
Gehring, a. a. O.
3, 31, 35
;
710, 2,
Roder, a. a. O. ; ; ; ;
Skála, a. a. O.
131, 13
;
180, 5
;
184, 9
;
233, 18
;
242, 7
;
242, 10
;
249, 19
;
Weber, Oswald. ;
Schmid, R. Cysat
6, 16
;
Schmid, Pilgerreisen.
1957, 407
.
4.
im technischen Bereich ›zylinderförmiger Hohlkörper in der Nabe des Wagenrades, in dem die Achse ruht‹.
Wortbildungen:
buchseisen
(a.  1593).

Belegblock:

Blümcke, Hans. Gesandtsch. (
nrddt.
,
1603
/
05
):
Vor 1 Buchsse unnd 2 overbende ann einem Rade ann der herrn Wagen bezahlt 8 Denn.
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1406
):
3 sch. zu Sobowicz vor buchsen und rynken zum wynwayne.
5.
im technischen Bereich ›Eisenreif, der bei Brunnen die einzelnen Wasserleitungsrohre miteinander verbindet‹.

Belegblock:

Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
ich hab im bezalt fur rören, püchsen zu dem schön prunnen, die er macht von seinem eisen, ie 35 pfenning fur eine und fur ein setzpüchsen 20 pfenning.
Rechn. Kronstadt (
siebenb.
,
1548
):
Thomas faber paravit 16 vulgo Buszen ad cannalia fontium.